So. Nun ist es endlich soweit. Ich schreibe meine ersten Erfahrungen, meine ersten gemischten Gefühle mit dem Jolla Phone und SailfishOS nieder. Warum gemischt? Es gab „Oh wow ist das nice“ hin zu „ernsthaft?“ Momente. Aber der Reihe nach.
Ausgepackt wurde das Jolla Phone schon, das könnt ihr hier nachlesen. Klassisch wird man mit einem Auswahlbildschirm der Sprachen begrüßt. Weiter, wer hätte es gedacht, gehts mit der Zeit / Datum / Zeitzone. Danach wird man gefragt mit welchen WiFi man sich verbinden möchte, der Clou daran? Das WiFi ist zuerst ausgeschaltet und muss aktiv eingeschaltet. also schon mal kein nach Hause telefonieren. Bravo. Ab hier könnte man die Schritte auch überspringen. Sprich man kann es auch ganz ohne Internetverbindung in Betrieb nehmen. Versucht das mal bei einen Samsung Galaxy oder iPhone.
Anschließend geht’s weiter mit dem Jolla Account, dieser wird für die Updates und den Jolla Store benötigt. Man kann sich aber auch wieder abmelden und nur für wenns ein System Update gibt wieder einloggen (wenn gewünscht). Diesen Punkte kann man ebenfalls überspringen.
Nun kommen wir zu den Apps. Es folgt eine Liste welche Apps man installieren möchte. (Taschenrechner, Kalender, Mail, Medien, Notizen, Open Forti VPN, Predictive Text Input, MS Exchange, Audio Recorder, Jolla Ringtone Project, Dokumente, Wetter). Bis auf MS Exchange hab ich mal alles angeklickt. Man will sich ja schließlich etwas umschauen.
Jetzt kommt noch die Fragen der Fragen, willst du Android Apps verwenden? Dann kann man hier die Android Apps Unterstützung runterladen. Folgend kommt jetzt auch die Auswahl des Stores dafür: Aurora und/oder F-Droid.
Das wars. Das Gerät kann nun fast verwendet werden. Zum Abschluss gibts noch ein schönes Tutorial wie man das Gerät bedient. Welche Gesten was auslösen. Diese Gesten funktionieren übrigens perfekt, gab es hier im System auch schon weit vor iOS & Android, bedarf aber einer kleinen Eingewöhnung.
Was machst man nun als erstes? Wild herum gestikuliert, ja die Gesten funktionieren wunderbar. Man gewöhnt sich dann doch relativ schnell daran auch wenn man immer wieder in alte Muster von anderen Systemen hineinrutscht.
Schauen wir mal die Einstellungen etwas durch, ja schön aufgeräumt und übersichtlich. Überschaubar. Ah Konten. Machen wir gleich mal das. Nextcloud hinzugefügt, dient für Kontakte, Kalender und Backup. Meinen Mail Account hinzugefügt und ja das wars. Mehr brauch ich einstweilen mal nicht. Der Rest soll später folgen. Gut dann schauen wir mal ob die Kontakte & Co alles da ist. Jap, einwandfrei. Leider nur eine Namensliste ohne Bilder, aber zumindest wenn man den Kontakt öffnet, gibt es einen Avatar. Oh doch ein paar Bildchen für die Favoriten. Bis jetzt flutscht das System, so nebenbei erwähnt, schön dahin. Lässt sich gut bedienen, auch alles gut visualisiert. Es gibt in den oberen Ecken einen „leuchtenden“ Punkt wenn man zurück (links) oder weiter (rechts) kann. Durch die wischte Geste kommt man dementsprechend weiter (oder zurück). Gefällt.
Schauen wir mal zu den Mails, hat das auch gleich geklappt? Klar. Warum sollte es auch anders sein. Das sind „Standard”-Dinge. Die Mail App ist auch sehr schlicht gehalten, aber das nötigste ist da. Und, zur Freude für mich, man kann relativ einfach und schnell ein Alias hinzufügen.
Jetzt hab ich doch schon einiges eintippen müssen am Jolla Phone, und eine meiner größten Ängste war die Tastatur. Aber die ist echt gut. Angenehm zum Schreiben, angenehmes Design (passt zum Rest des Systems). Hab auch kaum Vertipper. Wobei, hier kommen Gewohnheiten von iOS. Ich tippe immer doppelt auf die Leertaste um einen Punkt Abstand zu machen. Geht hier nicht. Fühlt sich komisch an. Aber ja, Gewohnheit? Oder nervig? Wir werden sehen. Was mir aber auch fehlt sind die Emojis. Ich verwend sie einfach gerne und die fehlen mir ehrlich gesagt. Vielleicht kann man welche installieren, das muss ich erst herausfinden.
Gut. Schauen wir einfach mal in den Jolla Store rein. Schließlich wollen wir ja auch Apps haben. Ich hab mir ja schon im Vorhinein ein bisschen schlau gemacht welche Apps ich möchte. Welche App gibt es nativ, welche muss dann als Android-App installiert werden. Natürlich bevorzuge ich mal zum Kennenlernen die nativen Apps. Über die Homepage https://sailfishos.app (inoffiziell) gibt es eine nette kleine Übersicht zu welcher gewohnten App es eine native Alternative gibt. Ich hab nun einfach mal die PureMaps App runtergeladen das sie mir ins Auge stach. Dazu über das Pull-Down-Menü installieren auswählen, fertig. Ging auch recht fix und die erste App war da.
Pull-Down-Menü? Ja wenn oben ein farbiger Strich ist, gibt es ein Menü dort. Man zieht es einfach runter (wie Pull to Refresh) und dann klappt das Menü auf. Ja, ich erwische mich oft dadurch das ich in gewissen Apps aktualisieren möchte (Pull to Refresh) und dann im Menü lande. Das selbe gibts auch von unten.
Und dann? Kam die erste Ernüchterung, man wird in der App begrüßt und gleich darauf hingewiesen dass es im Jolla Store nur eine eingeschränkte Version ist. Für den vollen Funktionsumfang bitte über OpenRepos oder Chum installieren. Bei einer zweiten App war das auch so. Hmmm ok. Der Jolla Store ist zwar scheinbar existent aber wohl nicht die erste Wahl für Apps. Glaub dazu hab ich schon mal ein Kommentar auf Mastodon gelesen.
Dann machen wir uns mal auf die Suche nach OpenRepos bzw. Chum. Man kann Apps einfach über die Seite https://openrepos.net/ installieren oder man holt sich https://openrepos.net/content/olf/storeman-installer. Quasi der App Store für OpenRepos. Damit dieser installiert werden kann, muss in den Einstellungen -> Sicherheit -> Fremd-Software -> „Nicht vertrauenswürdige Software erlauben“ aktiviert werden. Selbe gilt für Chum, hier gibts auch einen „App Store“ oder GUI Installer genannt. https://sailfishos-chum.github.io/apps/sailfishos-chum-gui-installer/. In einen späteren Beitrag werde ich noch ein paar Gedanken dazu verlieren.
Gut von hier bekomme ich also meine gewünschten Apps die ich für den Anfang möchte. Whisperfish (Signal Client), Tooter β (Mastodon Client), Immich oder Sailmich (Immich), BitSalior (Bitwarden).
Ich möchte jetzt noch gar nicht auf die ganzen Apps eingehen. Eigentlich sollte dieser Beitrag ja recht knackig werden und nur meine ersten gemischten Gefühle widerspiegeln. Auf die näheren Details komme ich dann später. Vielleicht fasse ich immer ein paar Apps in einem Beitrag zusammen? Je nach Laune.
Also. Das ganze OS fühlt sich gut an. Das Konzept ist anders, man hat zb am „Homebildschirm“ die geöffneten Apps liegen. Von unten nach oben kommt man zum App Launcher. Wisch von der linken Seitenkante öffnen die Ereignisse (Wetter, Kalender, Benachrichtigungen). Von der oberen Kante gibt es Schnellzugriffe (zb WiFi, BT, Flugmodus,….), natürlich einstellbar. Wenn man sich an die Gesten gewöhnt hat, kann man flott herumnavigieren. Das System(!) reagiert flott und gut. Es macht Spaß. Apps starten zügig aber mit kurzer Denksekunde (wenn App komplett geschlossen), wenn sie geöffnet sind, geht’s ohne Verzögerung. Übrigens, mit einer Wischgeste von der rechten Seitenkante schiebt man die App in den „Homebildschirm“, minimiert sie quasi. Ein wisch von der ganz oberen linken/rechte Ecke nach unten (ca bis zur Mitte) beendet die App quasi vollständig.
Warum nun also gemischte Gefühle? Es klingt doch wunderbar. Ja, es gibt halt auch ein paar Dinge die mich massiv stören, die leider nicht mit Gewohnheit Wegzureden sind.
Passwortmanager? Ja*. Systemweites AutoFill? Fehlanzeige. Heißt für jeden Login etc hin und her wechseln zwischen den Apps. Der hauseigene Browser hätte einen Passwort Manager, aber Import? Hab ich (noch) nicht gefunden. Und man möchte dann wohl doch eher bei seinen eigenen PW Manager bleiben und den Systemweit verwenden. *selbst installiert
Butterweiches scrollen? Weich mit etwas Butter beim System wie Einstellungen, Kontakte, App Launcher, Gesten, Mail. Da passt das und ist okay, aber kein Vergleich zu iOS. (Und ja ich hab gesagt ich werd kaum iOS/Android Vergleiche machen, aber die kommen wohl doch.) Katastrophe bei einigen Apps wie Browser (der ist ein eigenes Thema), Tooter, Whisperfish. Es ist aber nicht bei allen Apps. Konnte kein Muster erkennen. Diese lassen aber das System einfach nicht smooth erscheinen und „nerven“ mich.
Jetzt ist der erste Eindruck doch schon länger und intensiver geworden als geplant. Da bin ich noch nicht mal auf die Hardware oder die Haptik eingegangen.
Also, gemischte Gefühle. Aber eher ins Positive mit ein paar nervigen Gewürzen. Gestern hatte ich das Gerät ab Mittags auch als Daily Driver aktiv. Weitere Beiträge werden natürlich folgen. Wir wollen schließlich eben ja noch über die Hardware reden, die einzelnen Apps und noch so vieles.
Bis bald meine Lieben. Bei fragen meldet euch wie gewohnt auf Mastodon.